Sa Dragonera: Ausflug zur Dracheninsel vor Mallorca
Nur wenige Hundert Meter vor der Westküste Mallorcas liegt eine Insel, die wie eine andere Welt wirkt: Sa Dragonera. Es gibt dort keine Hotels, keine Restaurants und keinen Autoverkehr. Stattdessen erwarten Euch unberührte Natur, einsame Wanderwege, historische Leuchttürme und beeindruckende Ausblicke auf das Mittelmeer.
Die geschützte Insel ist ein ideales Ausflugsziel für alle, die Mallorca einmal von seiner besonders ursprünglichen Seite kennenlernen möchten.
Wo liegt Sa Dragonera?
Sa Dragonera befindet sich vor der Küste von Andratx im Südwesten Mallorcas. Von dem kleinen Küstenort Sant Elm ist die Insel durch einen ungefähr 800 Meter breiten Meereskanal getrennt. Geologisch gilt sie als westliche Fortsetzung der Serra de Tramuntana.
Die lang gestreckte und felsige Silhouette erinnert mit etwas Fantasie an den Rücken eines schlafenden Drachen. Daher wird Sa Dragonera häufig auch als Dracheninsel bezeichnet.
Zum Naturpark gehören neben der Hauptinsel auch die kleinen Felseninseln Es Pantaleu und Sa Mitjana. Insgesamt umfasst das geschützte Gebiet rund 275 Hektar Land sowie angrenzende Meeresflächen.
Ein Naturparadies mit besonderen Bewohnern
Sa Dragonera ist vor allem für ihre zahlreichen Eidechsen bekannt. Auf den Wegen, Mauern und Steinen lassen sich die kleinen Tiere fast überall beobachten. Auf der Insel lebt eine besondere Unterart der Balearen-Eidechse, die ausschließlich hier vorkommt.
Die Eidechsen sind an Besucher gewöhnt und zeigen sich häufig wenig scheu. Gefüttert werden dürfen sie trotzdem nicht. Auch Pflanzen, Steine oder andere Naturmaterialien müssen auf der Insel bleiben.
Darüber hinaus ist Sa Dragonera ein bedeutender Lebensraum für See- und Zugvögel. Zu den bekanntesten Arten gehören die Korallenmöwe, der Balearensturmtaucher und der Eleonorenfalke. Rund um die Insel erstrecken sich außerdem geschützte Seegraswiesen, die zahlreichen Meerestieren Nahrung und Unterschlupf bieten.
Auf der vergleichsweise kleinen Insel wurden mehr als 360 Pflanzenarten nachgewiesen. Ein Teil davon kommt ausschließlich auf den Balearen vor.

Vier Wanderwege führen über die Insel
Besucher erreichen Sa Dragonera am kleinen Hafen von Cala Lledó. Direkt in der Nähe befindet sich das Informationszentrum des Naturparks. Von dort starten vier ausgeschilderte Wanderwege.
Na Miranda
Der Weg nach Na Miranda gehört zu den kürzeren und leichteren Routen. Er eignet sich gut für Besucher, die nur begrenzt Zeit auf der Insel verbringen oder keine längere Wanderung unternehmen möchten.
Unterwegs passiert Ihr ehemalige landwirtschaftlich genutzte Flächen und erreicht mehrere schöne Aussichtspunkte. Die Route vermittelt bereits einen guten Eindruck von der Landschaft Sa Dragoneras.
Leuchtturm von Tramuntana
Der Weg zum Far de Tramuntana führt in den nördlichen Teil der Insel. Vom Leuchtturm eröffnet sich ein weiter Blick auf die Küste Mallorcas, Sant Elm und die Ausläufer der Serra de Tramuntana.
Im Gebäude des Leuchtturms befindet sich eine kleine Ausstellung über die Seefahrt und das frühere Leben der Leuchtturmwärter. Die Öffnung der Ausstellung kann von den jeweiligen Besuchszeiten und angebotenen Führungen abhängen.
Leuchtturm von Llebeig
Die Wanderung zum Far de Llebeig führt durch den südwestlichen Teil der Insel. In der Nähe befindet sich außerdem ein historischer Wachturm, der einst zur Beobachtung der Küste und zum Schutz vor Piratenangriffen diente.
Die Strecke ist länger als der Weg nach Na Miranda oder zum Leuchtturm von Tramuntana. Dafür erlebt Ihr eine besonders stille und raue Landschaft mit eindrucksvollen Blicken auf das offene Meer.
Alter Leuchtturm auf dem Puig de na Pòpia
Die anspruchsvollste Wanderung führt hinauf zum ehemaligen Leuchtturm auf dem Puig de na Pòpia. Der höchste Punkt der Insel liegt mehr als 350 Meter über dem Meer.
Der Aufstieg ist teilweise steil und bietet nur wenig Schatten. Oben angekommen, werdet Ihr jedoch mit einem außergewöhnlichen Rundblick über Sa Dragonera, die mallorquinische Westküste und das Mittelmeer belohnt.
Für diese Route sollten genügend Zeit, eine gute Kondition und feste Schuhe eingeplant werden. Besonders im Hochsommer empfiehlt sich die Wanderung nur am frühen Vormittag und bei geeigneten Temperaturen.
Vom Baugebiet zum geschützten Naturpark
Dass Sa Dragonera heute noch weitgehend unberührt ist, war lange Zeit keineswegs selbstverständlich. In den 1970er-Jahren bestanden Pläne, die Insel touristisch zu erschließen und unter anderem mit Gebäuden und Straßen zu bebauen.
Dagegen entwickelte sich auf Mallorca eine starke Protestbewegung. Im Jahr 1977 besetzte eine Gruppe junger Umweltschützer die Insel mehrere Tage lang. Unter dem Motto „Salvem sa Dragonera“ – „Retten wir Sa Dragonera“ – setzten sich immer mehr Menschen für ihren Schutz ein.
Die Proteste gelten heute als wichtiger Ausgangspunkt der balearischen Umweltbewegung. 1987 kaufte der Inselrat von Mallorca Sa Dragonera. Im Jahr 1995 wurde die Insel schließlich gemeinsam mit Es Pantaleu und Sa Mitjana zum Naturpark erklärt.
Heute gehört das Gebiet außerdem zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000.

Wie kommt man nach Sa Dragonera?
Die einfachste Verbindung führt von Sant Elm nach Sa Dragonera. Kleine Ausflugsboote benötigen für die Überfahrt normalerweise etwa 15 Minuten. Die Boote legen am Hafen von Sant Elm ab und erreichen die Insel an der Cala Lledó.
In der Hauptsaison werden üblicherweise mehrere Fahrten am Tag angeboten. Je nach Anbieter gibt es außerdem Ausflüge ab Port d’Andratx und weiteren Orten im Südwesten Mallorcas.
Fahrpläne können sich abhängig von der Jahreszeit, dem Wetter und dem Seegang kurzfristig ändern. Besonders in den Sommermonaten empfiehlt es sich, die Überfahrt vorab zu reservieren und die gewünschte Rückfahrt bereits bei der Buchung festzulegen.
Der Eintritt in den Naturpark ist grundsätzlich frei. Bei der Anreise mit einem touristischen Ausflugsboot kann zusätzlich zum Fahrpreis eine geringe Naturparkabgabe erhoben werden.
Baden auf Sa Dragonera
In der Nähe des Hafens von Cala Lledó gibt es Möglichkeiten, ins Wasser zu gehen. Eine klassische Sandbucht mit Liegen, Strandbar und Rettungsschwimmern dürft Ihr allerdings nicht erwarten.
Der felsige Untergrund kann rutschig sein. Badeschuhe und eine Schnorchelmaske sind daher eine sinnvolle Ergänzung. Bei starkem Wind oder höherem Wellengang sollte auf das Baden verzichtet werden.
Wichtige Regeln im Naturpark
Sa Dragonera ist ein empfindliches Schutzgebiet. Besucher müssen auf den markierten Wegen bleiben und ihren Abfall wieder mitnehmen. Feuer, Camping, das Pflücken von Pflanzen und das Mitnehmen von Steinen sind verboten. Auch Haustiere dürfen nicht mit in den Naturpark gebracht werden.
Gruppen mit mehr als zehn Personen benötigen vor dem Besuch eine Genehmigung der Parkverwaltung.
Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist der Ausflug leider nur bedingt geeignet. Die Beschaffenheit des Anlegers, die kleinen Ausflugsboote und die Wanderwege ermöglichen derzeit keinen durchgehend barrierefreien Zugang.

